Donnerstag, 2. Juli 2009

Gestorben und wieder auferstanden

Ich war tot. Tot als Läufer. Tot, weil ich nicht mehr laufen konnte. Jetzt lebe ich wieder. Ich laufe wieder. Schuld an allem ist die Pharmaindustrie. Und mein Ehrgeiz. Eine Woche nach dem Halbmarathon in Meran Ende April machte ich mich zu einem längeren Cross Country-Lauf auf. Fahrtenspiel auf natürliche Weise, so, wie es die Schweden erfunden hatten. Im Wald. Nach fünf Kilometern spürte ich, wie ein Ziehen im hinteren linken Oberschenkel immer stärker wurde. Trotzdem lief ich weiter. Einen Kilometer von zu Hause konnte ich nur noch humpeln. Der nächste Tag führte mich in die Apotheke. "Ich habe Probleme mit meiner Sehne am Oberschenkel, haben sie da was?", fragte ich den Apotheker. "Ja, selbstverständlich, tragen Sie doch dieses Gel auf", antwortete er und drückte mir eine Schachtel "Lasonil" in die Hand. Zu Hause trug ich das Gel auf. Zweimal am Tag. So wie es auf dem Beipackzettel stand. Nach drei Tagen waren die Schmerzen im Oberschenkel stark abgeklungen. Ich ging wieder laufen. Die Sonne schien. Am nächsten Tag juckte es am Bein. Am zweiten Tag erschien da, wo ich das Gel aufgetragen hatten, ein großer roter Fleck. Mein Bein wurde immer dicker. Mein Fuß schwoll an. Nach vier Tagen passte mein Bein nicht mehr in die Hose. Es wurde immer schlimmer. Ich bekam Panik. Notaufnahme. Dort schmierten sie mein Bein mit Cortisoncreme ein. Antibiotika nahm ich oral ein. Es wurde trotzdem immer schlimmer. Beim zweiten Mal in der Notaufnahme behielten sie mich da. Ich war vier Tage im Krankenhaus. Antibiotika, Cortison und Antihistaminika gab es intravenös. Cortison gab's auch als dicke Cremschicht auf mein Bein. Zweimal am Tag. Nach vier Tagen schickten sie mich nach Hause, zehn weitere Tage schluckte ich täglich sieben Tabletten und trug weiterhin Cortison auf mein Bein auf. Fingerdick. Nach zwanzig Tagen ging ich wieder laufen. Mein Bein hatte wieder normale Dimensionen. Die Sehne im Oberschenkel tat wieder weh. Gedanken an Selbstmord suchten mich heim. Meine sechs Paar Laufschuhe essen und daran ersticken, das wäre ein schöner Tod. Nur der Blick auf meine Twins hielt mich von einer Verzweiflungstat ab. Jetzt laufe ich wieder. Mit rotem Ausschlag auf der Haut und am ganzen Körper. "Der Wirkstoff", sagt mein Arzt, "kann noch lange in Ihrer Haut vorhanden sein und eine weitere allergische Reaktion auslösen". Ich laufe trotzdem weiter. Ich will wieder leben.

PS: Der Wirkstoff von Lasonil in Italien heißt Ketoprofen und ist eigentlich ein Schmerzmittel. Allergische Reaktionen darauf sind bekannt und dokumentiert. Leider habe ich erst jetzt recherchiert...


Dabei sieht im Werbefilm alles so toll aus... Dass die Stimme am Ende bei der Aufzählung der Nebenwirkungen immer leiser wird, sollte einen allerdings ein wenig stutzig machen.

2 Kommentare:

  1. Oh Gott...das liest sich ja furchtbar. Das Dumme ist eben, man weis im Vorfeld nie, ob man auf irgendwas allergisch reagiert. Ging mir vor Kurzem auch so. Zum Glück war es nur eine kleine Stelle am Fuß.

    Weiterhin Gute Besserung!!!!

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  2. Danke, Anett, die roten Pünktchen werden schon weniger :-)

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