Die einfachen Zeiten sind vorbei. Das ist mir nun endgültig klar. Hat es vor zwei, drei Jahren als leidensfähiger und -williger Läufer noch genügt, sich bei einem Straßenlauf einzuschreiben, die entsprechende Gebühr zu bezahlen und dann am Start zu erscheinen, um dabei sein zu dürfen, ist das nun alles viel, viel komplizierter. Erstens braucht es nun ein sportmedizinische Bestätigung und zweitens - zumindest als italienischer Staatsbürger - eine FIDAL-Mitgliedschaft (FIDAL = Federazione Italiana di Atletica Leggera). Auch das sportmedizinische Attest wird beim Meraner Halbmarathon nur von italienischen Staatsbürgern verlangt. So quasi nach dem Motto: Wenn so ein Touri auf der Strecke stirbt, is eh wurscht, aaaaber auf "unsere", da müss'mer schon schauen, dass die gesund an den Start gehen.Dabei ist so eine normale sportmedizinische Untersuchung sowieso nur eine Alibiuntersuchung. Wie will man mit ein bisschen Treppensteigen auf dem Stepper die Belastungsgrenze des Athleten herausfinden? Hallo? Das Problem ist nämlich laut vieler Experten nicht der geringe Fitnesszustand der Freizeitsportler, die sich an Marathons und Halbmarathons beteiligen. Vielmehr sind das die Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen in den vorangegangenen, "sportlosen" Jahren, die sich aufgrund mangelnder Bewegung und falscher Ernährung gebildet haben. Wird dann plötzlich wieder Sport getrieben, verbessert sich zwar der allgemeine Gesundheitszustand, die Ablagerungen in den Arterien bleiben aber bestehen. Und dann kann es passieren, dass sich während einer sportlichen Belastung eine solche Ablagerung löst und einen Herzinfarkt hervorruft. Wollte man dieses Risiko wirklich ausschließen, bräuchte es nicht nur einen ausgiebigen Gesundheitscheck, sondern auch einen Ultraschall des Herzens (siehe auch dieses Interview).
Der Grund für die verschärften Bestimmungen (nebenbei bemerkt: das entsprechende Gesetz gibt es bereits seit 1982, ohne dass es bis vor kurzem berücksichtigt worden wäre!) ist nicht die Angst um die Gesundheit der Läufer, sondern die Angst der Veranstalter vor Regressansprüchen.
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